Suche
  • Annabell Engel

Mut zur Unperfektheit - Meine Gedanken zur perfekten Hochzeit #echt #perfektunperfekt #infini



Als Traurednerin bewegt man sich naturgemäß sehr viel in der Hochzeits-Social Media-Blase, schaut sich also den ganzen Tag lang Bilder von detailverliebten Styled Shootings, atemberaubenden Brautkleidern und unglaublich gutaussehenden und perfekt gestylten Paaren an. Auch in der Zeit meiner eigenen Hochzeitsvorbereitung bin ich schon ziemlich tief in diese Welt eingetaucht. So wie Millionen anderer Frauen (und auch einiger Männer), habe ich mich von der perfekten Insta- und Pinterestwelt in ihren Bann ziehen lassen. Und zwar freiwillig und mit viel Genuss! Dabei habe ich viele gute Anregungen mitgenommen und meinen Blick für den eigenen Geschmack gut schärfen können.


Es kam aber auch immer wieder der Punkt, wo ich leise für mich dachte „So schön, wird es bei uns nie sein.“ oder „So eine tolle Fotografin können wir uns leider nicht leisten.“ Hin und wieder kamen mir sogar Absurditäten in den Sinn wie: „Sollte ich mir vielleicht doch noch schnell vor der Hochzeit die Zähne bleichen lassen?“ (Und das obwohl mir die Farbe meiner Zähne zuvor nie negativ aufgefallen war!). Kurz: Es schlichen sich Enttäuschung und Zweifel ein, angesichts (m)einer Realität, die mit den perfekten Bildern nicht mithalten konnte.

Ich denke auch solche Gefühle kennen die meisten von Euch. Und das ist genau der Punkt, an dem mein heutiger (und erster! Yay!) Blogbeitrag einsetzen möchte: Was, wenn beim Konsum der schönen Bilder nicht mehr Freude und Inspiration, sondern Selbstzweifel überwiegen?

Und noch ein anderes Szenario treibt mich um, weil ich Ansätze davon bei mir selbst in der Hochzeitsvorbereitung immer wieder bemerkt habe und ähnliches auch öfter im Gespräch mit Brautpaaren mitbekomme: Was, wenn die Hochzeit in erster Linie so geplant wird, dass sie gut aussieht, insbesondere auf Fotos?

Ist es nicht wichtiger, dass sich Euer Jubeltag gut anfühlt, als dass er gut aussieht? Was nutzt das atemberaubende, figurschmeichelnde Kleid, wenn ich mich nicht darin bewegen kann? Oder: Was, wenn ich mich so um die Ästhetik sorge („Hat die Floristin auch wirklich alles so geschmückt, wie besprochen? Was, wenn meine Trauzeugin vergessen hat, die Kerzen am Altar anzuzünden? Hoffentlich macht das Blumenmädchen keinen Fleck auf sein Kleid!“), dass ich DEN Tag, garnicht mehr richtig genießen kann?

Das wäre doch schade, oder? Unsere Hochzeit sollte doch, sowohl im Vorfeld als ganz besonders natürlich am Tag selbst in allererster Linie mit Freude und Leichtigkeit verbunden sein. Der Tag kommt nicht wieder, wir sollten also alles daran setzten, jede Minute davon voll auszukosten und zu genießen! Und auch während der Monate (oder sogar Jahre) der Hochzeitsplanung wollen wir schließlich weder graue Haare noch Nervenzusammenbrüche oder Magengeschwüre riskieren.



Daher finde ich es wichtig, sich immer wieder zu erden, sich also auf das zu besinnen, was wirklich wichtig ist. Überlegt Euch: Um was und um wen geht es eigentlich? Und hinterfragt bei jedem Detail (ich sage nur: Platzteller, Donutwall, Gastgeschenke...) ob es den Tag für Euch wirklich schöner und reicher macht, oder ob es nur auf den Bildern schön aussieht. Auch die Tatsache, dass „das jetzt Trend ist/das alle so machen/die Gäste das bestimmt erwarten“ ist kein gutes Argument. Oder, für alle Fans von Marie Kondo: "Does it spark joy?"!


Und, ein letztes noch: Habt Mut zum Unperfekten – lasst es hier und da bewusst zu und akzeptiert auch all das Unvollkommene, das ungeplant daherkommt, insbesondere wenn Ihr ohnehin nichts mehr daran ändern könnt.


Wie sich das gehört, gehe ich mit gutem Beispiel voran: Ihr seht hier zwei Fotos von meiner eigenen Hochzeit. Das erste zeigt meinen Mann und mich, wie wir zusammen in die Kirche einlaufen. Ich habe den Mann an meiner Seite, den ich immer heiraten wollte, trage das Kleid und den Blumenkranz, von denen ich immer geträumt habe... aber was ist das denn?! Da steht ein Baugerüst! Unverkennbar, groß, hässlich: ein Baugerüst in der Kirche, am Tag unserer Hochzeit! Alles andere als perfekt, oder? Zugegeben: Ich habe mich deswegen im Vorfeld auch geärgert. Es wäre mir aber keinen Augenblick in den Sinn gekommen, deshalb in einer anderen Kirche zu heiraten, denn ich liebe dieses mittelalterliche Bauwerk, in dem ich auch schon getauft und konfirmiert wurde. Und wisst Ihr was: Am Tag der Hochzeit hat mich das Gerüst, so hässlich und auffällig es auch war, überhaupt nicht gestört, und auch viele Gäste haben erzählt, dass sie es kaum wahrgenommen haben. Einfach, weil es an diesem Tag so viel Wichtigeres undS chöneres gab! - So viel zu den ungeplanten Unvollkommenheiten.



Auf dem zweiten Bild seht Ihr hingegen ein Beispiel für ein (zugegebenermaßen kleines) Detail, bei dem ich die Unperfektheit ganz bewusst in Kauf genommen habe. Diesen Kleiderbügel habe ich für meinen Mann gemacht (richtig, die Idee kam von Pinterest!), und da ich basteltechnisch wirklich überhaupt nicht begabt bin, ist er alles andere als picture perfect geworden. Ich hätte also entweder noch zehn Versuche machen und viele Nerven verlieren können, hätte eine begabtere Freundin bitten können mir zu helfen, oder aber gleich einen fertigen Bügel kaufen können. Wäre natürlich auch vollkommen okay gewesen. Aber mein Mann hat sich auch über dieses einzigartige Teil sehr gefreut – weil er mich so liebt, wie ich bin und nichts „perfektes“ von mir erwartet.


Denkt also immer mal wieder an mich und an „infini“ - was nicht nur 'unendlich', sondern auch 'unvollendet' bedeuten kann. Denn nur, was nicht ganz vollendet ist, lebt, kann sich weiter entwickeln und wachsen – so wie Eure Liebe!

47 Ansichten

© 2019 infini Freie Trauungen

  • Schwarz Facebook Icon
  • Schwarz Instagram Icon